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Eine Reise durch die industrielle Vergangenheit der deutsch-niederländischen Grenzregion

Welche Industriezweige waren in den vergangenen Jahrhunderten für die wirtschaftliche Entwicklung der Grenzregion entscheidend? Vorherrschend war in Twente, der Grafschaft Bentheim und dem Münsterland zweifellos die Textilindustrie. Wegen ihrer Lage an Fluss Oude IJssel konnte sich die Eisenindustrie bei Ulft entwickeln. Bergbau gab es in der Grenzregion eher selten. Eine der wenigen Ausnahmen war die Umgebung von Osnabrück.

Von großer Betriebsamkeit zum großen Untergang

Mit der industriellen Revolution begann für viele Städte der Grenzregion eine wahre Blütezeit. Große Fabrikhallen wurden gebaut, und ganze Wohnviertel für Arbeiter wurden aus dem Boden gestampft. Durch die zunehmende Konkurrenz auf dem Weltmarkt mussten viele Fabriken in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts schließen oder radikal umorganisiert werden. Die alten Fabrikhallen leerten sich, die Maschinen standen still. Glücklicherweise gelang es in den letzten Jahrzehnten, einigen charakteristischen Gebäuden in der Grenzregion eine neue Funktion zu verleihen.

Das LWL-Industriemuseum Textilwerk Bocholt ist ein hervorragendes Beispiel der Wiederverwendung von industriellem Kulturerbe. Im alten Backsteingebäude werden alte und moderne Techniken der Textilproduktion gezeigt, sowie zeitgenössisches Modedesign und Textilkunst. Die Besichtigung des authentischen Arbeiterhauses mit Gemüsegarten macht deutlich, dass das Leben einer Arbeiterfamilie besonders einfach war. Im Experimentiermuseum Heim in Hengelo/Twente wird die Textilgeschichte anhand alter Maschinen dargestellt. Manche darf man sogar anschalten. Ulft an der Oude IJssel war einst die Wiege der niederländischen Eisenindustrie. Das interaktive Museum ICER befindet sich in der ehemaligen Schleiferei der DRU-Fabriken. Das Museum verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart. Es werden zahlreiche, hier einst hergestellte Produkte gezeigt, wie Fahrräder und Küchenutensilien. Darüber hinaus wird der Besucher ausdrücklich dazu aufgefordert, selbst aktiv zu werden und beispielsweise etwas zu entwerfen, das mit Hilfe eines 3D-Druckers produziert werden kann.

Kohlebergbau und Wasserwirtschaft

Das Kohlebergwerk Piesberg in Osnabrück, mit seiner einzigartigen Architektur und Industrieatmosphäre, mit Dampfmaschinen und Minenschächten, ist heutzutage ein Kulturzentrum und Museum der industriellen Entwicklung von Osnabrück und Umgebung. Dampfpumpwerk De Tuut in Appeltern an der Maas ist das einzig erhaltene Dampfpumpwerk in dieser Flussregion. Der 100 Jahre alte Komplex mit Einlaufkanal, Kohlenschuppen und Arbeiterhäusern ist nicht nur architektonisch interessant, ab und zu werden die Maschinen auch eingeschaltet.